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Zur ausgeschriebenen Pfarrstelle

Zum 31. August 2018 beendet Pfarrer Johannes Erlbruch seinen mittlerweile 9-jährigen Dienst in unserer Gemeinde.

Damit die Pfarrstelle durch die EKD erneut besetzt werden kann, sind Kirchgemeinderat & die Gemeinde derzeit aktiv an der Wahl des neuen Pfarrers, der neuen Pfarrerin beteiligt.

An drei Sonntagen stellten sich die BewerberInnen mit einem Gottesdienst der Gemeinde vor. In anschließenden regen Gesprächen befragten sich BewerberInnen & Gemeinde wechselseitig. Ein offener Dialog, der die Wahl schon im Prozess wesentlich bereichert.

Als besonderen Service im Rahmen der Pfarrwahl 2018 veröffentlichen wir die Predigten aller drei Kandidaten. Wir danken den Geschwistern sehr herzlich, dass sie der Veröffentlichung zugestimmt haben!
Zugleich weisen wir darauf hin, dass die gedruckte Form nur einen Anhaltspunkt geben kann, da manche sich die Freiheit nehmen, vom schriftlichen Konzept abzuweichen. Es gilt ausschließlich das gesprochene Wort! Die Predigten werden ohne Namensnennung nur mit Datum und Predigttext veröffentlicht.

21. Januar 2018 (Letzter Sonntag nach Epiphanias)
Predigttext: Offenbarung 1,9-18
Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen. Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea. Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, der war angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme und seine Füße gleich Golderz, wie im Ofen durch Feuer gehärtet, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen; und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht. Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Liebe Gemeinde,
Wir hatten uns tief schwarz gefärbte Brillen gekauft. „Sie brauchen diese Gläser, wenn Sie die Sonnenfinsternis verfolgen wollen“, hieß es, das war eine Warnung. Im August 1999 standen wir dann draußen und sahen nach oben, blinzelten sogar hinter schwarzen Brillengläsern in die Sonne. Am helllichten Tag stand sie für kurze Zeit als dunkle Scheibe am Himmel, um die verdeckte Sonne herum bildete sich ein heller Strahlenkranz. Ohne Augenschutz, unmöglich anzusehen.
Wenn es richtig hell wird, dann kommt irgendwann der Moment, in dem das Licht den Menschen, seine Netzhaut und die Wahrnehmungsfähigkeit überfordert, dann ist Schutz nötig. Auch in der Bibel ist das so: Wenn Gott direkt und unverhüllt auf den Plan tritt, dann ist Licht im Spiel, mehr Licht - mehr Stimme übrigens auch - als ein Mensch erträgt. Mose darf die Herrlichkeit Gottes sehen, aber Gott schützt ihn mit seiner Hand (2. Mose 33,18-23), die Frauen an Jesu Grab neigen ihr Angesicht vor der Helligkeit (Lukas 24,4) des Ostermorgens und Johannes, der einsame Seher auf der Insel Patmos, fällt nieder zu seinen Füßen und ist wie tot.
Ich habe sie noch vor Augen, die Menschen mit ihren tief dunklen Brillen, folgten diesem riesigen Sonnenspektakel. Erinnern Sie sich auch? Selten sahen so viele Menschen zum Himmel. Manchmal wünschte man sich etwas mehr davon: Ehrfurcht, Faszination vor etwas Größerem, als ich selber es bin. Das war damals so etwas wie ein „Date mit dem Licht“. Hier in dieser Kapelle: Das Kreuz erinnert daran, grelles Licht vor dunklem Schatten.
So eine Verabredung haben wir heute: Ein Treffen mit Jesus Christus. Er legt einen solchen Strahlenkranz um das Leben. Er sorgt für Klarheit und Kontur. Jede dieser Lichterscheinungen, die Johannes erkennen kann, steht für Christus, das „Goldherz“, das man sehe kann, erklärt sich von selbst als das vitale Zentrum und sogar dieses Wasserrauschen, das wir hören, steht für die „Quelle lebendigen Wasser“, von der die Jahreslosung (Offenbarung 21,6) spricht. Und der Einblick zeigt: Alles, was hier von Gott zu sehen ist, macht einem die Knie eher weich. Ehrfurcht, Respekt, das gehört zum Glauben dazu. Wer von diesem Licht und Feuer hört, wird nicht mit den Achseln zucken und sagen: „Wusste ich doch schon lange“. Eine Verabredung mit dem Licht, das ist der Glaube.
Wir lesen zu Hause in Hannover morgens aus dem Losungsbuch: Manchmal entfacht an dunklen Tagen ein Bibelwort erstes, wirklich helles Tageslicht. Wir Christinnen und Christen leben mit diesem Licht und mit dem Risiko, dass es auch mal viel zu hell werden kann wo Gott auf dem Plan ist.
Seit einigen Jahren arbeite ich für das 500. Reformationsjubiläum und ich bringe eine Erfahrung mit: Alle Aktivitäten, die mit Licht zu tun hatten, wurden Jubiläumshöhepunkte: Die LichtKirche, die Spiegelwege, ein Erlebnisraum Taufe. Und vor allem: Die Erkenntnis Martin Luthers, dass der Gerechte durch die Gerechtigkeit Gottes und nicht aus seiner eigenen Gerechtigkeit lebt, also nicht nach den eigenen Taten, sondern nach Gottes Gerechtigkeit geurteilt wird. Diese Erkenntnis ist so ein Lichtmoment in der Kirchengeschichte. Da sah einer plötzlich nicht in seine Ängste hinein, ließ sich das Leben verdunkeln, sondern war geblendet von Gottes Gnade. Ein „Date mit dem Licht“ ist ein Treffen mit Gottes Gnade.
Und Johannes, der Seher, fiel zu seinen Füßen und er war wie tot. Szenenwechsel: Statt den Himmels noch weiter zu öffnen und das Licht noch stärker wirken zu lassen, greift das Kontrastprogramm: Johannes, wie tot am Boden, spürt eine Hand, die legt sich auf seine Seite, und er hört ein Wort „Fürchte dich nicht“. Leise, ein zartes Wort wie ein Lichtschimmer im Dunkel. Wer das hört weiß von dem Ende des Schreckens und lernt die Muttersprache des Glaubens.
„Fürchte dich nicht“ steht so oft in der Bibel, dass man sich darüber gestritten hat, ob es genau 365 Mal dort steht: Für jeden Tag des Jahres ein kleines Evangelium. - Bitte zählen Sie nicht nach, es steht dort seltener, aber es reicht, wenn man es einmal am Tag hört. - „Fürchte dich nicht“. Wer je in seinem Leben zu Boden gegangen ist und ganz unten war und dieses Wort hört, weiß, das ist die zärtliche Seite Gottes, ein O-Ton. „Es war die Hand einer Schwester im Aufwachraum, die mich berührte und ich war wieder da“, sagte jemand nach einer Operation, das war „mein Fürchte-dich-nicht-Moment“. Diese Worte wirken wie die Schlüssel, die den dunklen Alptraum wegschließen.
Wenn ich in meinem Leben diese Momente, in denen alles in gleißendes Licht getaucht ist, zähle, dann sind die sehr kostbar und sehr rar. Aber dieser Augenblick, in dem sich eine Hand in die meine schiebt und ich höre, dass jemand sagt „fürchte dich nicht“ zeigt, wie Gottes Wort das Leben aufrichtet und Menschen aufbaut. Wir sperren Ohren und Augen auf, wenn jemand Gott zitiert: „Fürchte dich nicht!“.
Johannes erlebt das voll Kontrastprogramm, liefert sich dem - gezwungenermaßen - selber aus. Und ich stelle mir vor, wie er aus seiner Ohnmacht erwacht, diese kleinen Gesten spürt und Gottes uraltes Wort hört: „Fürchte dich nicht!“, da öffnet jede und jeder seine Augen und stellt fest: Hier schützt Gott selber. Die Brillen von 1999 haben wir nicht wieder gebraucht, aber wir feiern das heilige Abendmahl: Kontrastprogramm Gottes für Menschen, die diese Muttersprache Gottes verstehen möchten, ein „Fürchte-dich-nicht-Mahl“.


28. Januar 2018 (Septuagesimae)
Predigttext: Matthäus 9,9-13
Und als Jesus von dort wegging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus; und er sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm. Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern. Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern? Als das Jesus hörte, sprach er: Nicht die Starken bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea 6,6): »Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer.« Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.
(Übersetzung nach: Die Bibel, Lutherübersetzung 2017)

Friede sei mit Euch, der da ausgeht von Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Amen.

Liebe Gemeinde,
Jesus ruft die Seinen in seine Nachfolge. Nachfolge ist doch zuerst einmal eine Bewegung, eine Veränderung des Ortes, der eigenen Haltung, der Einstellung, ja auch des Glaubens und Vertrauens. Wer sich nicht bewegt, gilt als leblos. Wer sich aber bewegt, gilt als lebendig.
Schauen wir doch mal, was hier nach der Erzählung des Matthäus passiert: Im ersten Teil ist hier von Matthäus die Rede, ein Zollbeamter bzw. Zollpächter, der im Auftrag der römischen Besatzungsmacht Steuern eintreibt, der hat sich damit ein gut bürgerliches Leben in finanzieller Sicherheit aufbauen können.
Der Mensch lebt dort, wo er Arbeit, Ein- und Auskommen findet. So wird ein jeder früher oder später sesshaft, bürgerlich, in gesicherten Verhältnissen, die es an nichts fehlen lassen.
An nichts?
Geld, gutes Einkommen, gesicherte Verhältnisse, eine schöne Wohnung oder sogar ein Haus... Was will man mehr? Oder fehlt da noch das Wichtigste?
Auf einmal geraten die Verhältnisse jenes Zöllners in Bewegung. Es kommt zu einer Begegnung mit Jesus. Der verkörpert alles andere als bürgerliche Sicherheit. Jesus, der ohne festen Wohnsitz, ohne festen Arbeitsplatz von Ort zu Ort wandert, immer in Bewegung, nur um Menschen zu begegnen, wie hier dem Matthäus. Da kommt jener Durchreisende Jesus und ruft dem geschäftlich Erfolgreichen zu: „Folge mir!“ (akoloutei moi)
Was, in aller Welt, sollte diesen geschäftlich Erfolgreichen bewegen, dieser unbegründeten kurzen Aufforderung nachzukommen? Ohne Wenn und Aber? Wer von uns, liebe Gemeinde, würde so etwas tun: Wer würde alles Erfolgreiche zurück lassen und sich freiwillig in eine wirtschaftlich dermaßen unsicheren Situation begeben?
Ruf und sofortiger Gehorsam sind die konstitutiven Elemente der Berufung.
Die Antwort bleibt uns Matthäus nicht lange schuldig. Schon im nächsten Vers heißt es: Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern.
Wir wissen nicht, wo dieser denkwürdige Tisch gestanden hat, ob im Haus des Zollpächters oder im Haus der Familie Jesu oder in einem ganz anderen Haus. Wir wissen nur, Matthäus war nicht der einzige Teilnehmer mit fragwürdigem Ruf (Zöllner und Sünder). Die Augen der Pharisäer schauten mit Verachtung auf sie herab. Jesus aber nimmt jeden in seine Tischgemeinschaft auf.
Vielleicht ist es gerade dieses Stichwort, das der Zollpächter all die Jahre vermisst hat: Tischgemeinschaft! Menschliche Beziehungen. Zusammen sitzen, essen trinken, sich unterhalten, auf Augenhöhe begegnen, frei reden können, und, vor allem: Sich endlich einmal angenommen fühlen; dabei sein zu dürfen und nicht ausgegrenzt zu werden.
Genau dieses Gefühl hat Jesus seinen Tischnachbarn gegeben. Nicht, was ein jeder gemacht hat, wo jemand betrogen hat, ungerecht oder zu viel kassiert hat, zählt in den Augen Jesu. Sondern am Tisch Jesu zählt voll und ganz der Mensch.
Matthäus war nicht der Einzige, der sich als Zollpächter in der sozialen Gemeinde unbeliebt gemacht hat. „Viele“ Zöllner und Sünder sammelten sich um Jesus. Da höre ich doch die Pharisäer lästern: Ist er etwa auch so einer? Begibt er sich gerne unter seinesgleichen? Pharisäer - unterschieden: Kult zugehörig oder außerhalb
Jesus hat im Zusammenhang mit dem Reich Gottes auch an anderen Stellen von einer solchen Tischgemeinschaft gesprochen: (Mt 8,12:) „Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen.“
Liebe Gemeinde, ohne Bewegung ist dieser Tisch nicht zu erreichen! Das Heil Gottes fällt mir nicht einfach in den Schoß. Der Ort der Gemeinschaft und der Geborgenheit will angegangen werden.
Jeder/ fast alle haben sich schon mal auf den Weg gemacht, sind umgezogen, weiter gezogen, zugezogen, ob von weit her oder von einem Zimmer in das andere.
So bedarf es auch bei Jesus der „Umkehr“, einem Impuls, diesem „Folge mir!“zur mutigen Veränderung, neu in Bewegung zu kommen, um dann weiter zu denken und zu handeln, als ich es vorher zu tun vermochte. Nur so treffen wir auf Menschen, die es gleichsam gewagt und getan haben, die ebenso sich auf den Weg gemacht haben, bis sie am Tisch des Herrn ihr Ziel gefunden haben.
Was, liebe Gemeinde, tun wir nicht alles, damit wir zufrieden sind? Bei manchen hilft bei schlechter Laune eine kleine Shoppingtour durchs Internet. Andere verkriechen sich in Einsamkeit und Selbstmitleid.
Jesus lädt alle Mühseligen und Beladenen ein zum Beisammensein. Denn er weiß, was wir zum Leben, zum Glücklich sein brauchen: Verständnis, Anerkennung und ein Miteinander ohne Unterschiede von besseren und schlechteren Menschen. Die Pharisäer haben beide tunlichst voneinander getrennt. Die einen systemtreuen, die dem Kultus verbunden waren, wurden geachtet; alle anderen mit Verachtung belegt.
Jesus aber ist der, der - wie ein Arzt - das Heil bringt, der dem Kultwahn der Pharisäer entgegenhält: »Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer.«
Liebe Gemeinde, die Barmherzigkeit Gottes genießen zu dürfen, ist wohl das größte Geschenk, die wunderbarste Erfahrung. Wer den Begriff „Barmherzigkeit“ verstehen will, muss sich selbst erst mal eingestehen, dass er oder sie nicht perfekt ist. Wer von der Barmherzigkeit Gottes betroffen wird, der kann auch selber Barmherzigkeit üben, mit offenem Herzen seinem Nächsten begegnen. Es geht einfach darum, einander menschlich zu begegnen. Barmherzigkeit ist die Medizin, mit der wir unser Christsein zum Ausdruck bringen, mit der wir etwas Heil und Heilung in unsere von Spannungen und Erwartungen erfüllte Welt tragen können.
Lernen wir von Jesu Handeln, von seiner Einstellung, und wir selbst werden barmherzig, öffnen unsere Herzen für den anderen, der zwar anders ist und denkt, aber dennoch ein großartiger Mensch ist, den es sich lohnt, kennen zu lernen. Sich füreinander zu öffnen, das liebe Gemeinde, möge uns auch heute gelingen, wenn wir uns einfinden am Tisch des Herrn. Amen.
 
Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn all unsere Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


4. Februar 2018 (Sexagesimae)
Predigttext: 2. Korinther 12,1-12
Man muss wohl angeben, auch wenn es nichts bringt. Dann will ich jetzt auf Erscheinungen und Offenbarungen des Herrn zu sprechen kommen.  Ich weiß von einem Menschen, der zu Christus gehört. – Der wurde vor vierzehn Jahren bis in den dritten Himmel emporgehoben. Ich weiß nicht, ob er sich dabei in seinem Körper befand. Genauso wenig weiß ich, ob er außerhalb seines Körpers war. Gott allein weiß es! Ich weiß, was mit diesem Menschen geschah. Wie gesagt: Ob es mitsamt seinem Körper geschah oder ohne seinen Körper, weiß ich nicht. Das weiß nur Gott allein. Ich weiß aber, dass er in das Paradies emporgehoben wurde. Dort hörte er unsagbare Worte, die kein Mensch aussprechen darf. Im Hinblick auf diesen Menschen will ich angeben. Aber im Hinblick auf mich selbst kann ich nur mit meiner Schwäche angeben. Wenn ich allerdings tatsächlich angeben wollte, würde ich mich damit noch nicht einmal zum Narren machen. Ich würde einfach nur die Wahrheit sagen. Ich verzichte aber darauf. Denn man soll mich nur nach dem beurteilen, was man direkt von mir sieht oder hört – auch wenn diese Offenbarungen wirklich außergewöhnlich sind. Aber damit ich mir nichts darauf einbilde, ließ Gott meinen Körper mit einem Stachel durchbohren. Ein Engel des Satans darf mich mit Fäusten schlagen, damit ich wirklich nicht überheblich werde. Dreimal habe ich deswegen zum Herrn gebetet, ihn wegzunehmen. Aber der Herr hat zu mir gesagt: »Du brauchst nicht mehr als meine Gnade. Denn meine Kraft kommt gerade in der Schwäche voll zur Geltung.« Ich gebe also gerne mit meiner Schwäche an. Denn dann kann die Kraft von Christus bei mir einziehen. Deshalb freue ich mich über meine Schwäche – über Misshandlung, Not, Verfolgung und Verzweiflung. Ich erleide das alles für diese Kraft von Christus. Denn nur wenn ich schwach bin, bin ich wirklich stark.
(Übersetzung nach: Basisbibel)


Klappern gehört zum Handwerk, auf sich aufmerksam machen.
Wie ich verstanden habe: für die Gemeinde in Budapest überlebensnotwendig.
Das haben wir gelernt – zeigen, was wir können.
Aber auf die eigenen Schwächen verweisen?
Wenn ich schwach bin, bin ich stark  - so Paulus.
Angeben mit dem, was kümmerlich ist? Geht das?
Im Alltag tun wir das zumindest: der eine kann nicht rückwärts einparken, die andere wird bei Pralinen endgültig schwach oder einer hat, also ehrlich: 2 linke Hände
Ich hab nicht wirklich gelernt für die Klausur, die 2 ist Zufall. Für Mathe bin ich einfach nicht gemacht
Ja, so etwas sagen Menschen ganz gern. Es ist das Zur-Schau-Stellen der eigenen - kleinen - Unzulänglichkeiten. Wir signalisieren damit: Ich bin nicht perfekt. Und alle Welt ist recht zufrieden, solche kleinen Kratzer am anderen wiederzuerkennen – beruhigend. für mich selbst beruhigend – denn dann bin ich ja ganz o.k., jedenfalls der Rest von mir, wenn es doch anderen genauso geht.
Wenn ich so ein bisschen schwach bin, bin ich doch eigentlich stark.

Aber Paulus schränkt nicht ein. Er formuliert aufs Ganze: Wenn ich schwach bin, bin ich stark. Dieser Satz, diese Erkenntnis stehen allerdings auf einem Fundament, das Paulus nicht selbst gegossen: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
D.i. ein schöner Satz / wirklich schön:
Wenn Sie mal Reserve anlegen wollen an Glaubenssätzen: auswendig lernen, der gehört unbedingt dazu, Luther-Fassung. Es ist aber vor allem ein herber Satz,  Vielleicht ist er so schön, weil er so kantig ist, Einer, der uns und unsere Sehgewohnheit auf uns selbst infrage stellt. Denn wenn ich es mir genau betrachte: So schön finde ich diesen Satz nur, wenn er für die anderen gilt: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Er gilt für die kleinen Kinder, als machtlos gelten.
sie bringen mir in der Kindergarten-Andacht etwas von Gottes Segensmacht bei.
Wir sitzen im Kreis und singen am Schluss regelmäßig das Segenslied mit Bewegungen (zeigen)
Lass mich unter deinem Segen, leben und ihn weitergeben
Segen in die Hände legen
aber diesmal spüre ich, wie eine kleine Hand auf meinen Kopf und in meine Haare wuschelt – ein Kleiner segnete mich
Ich staune: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
Diese Satz gilt für die Konfirmandin, die Freunde in der rechten Jugendszene hat.
Und die die Hetze/Hasskommentare im Netz wohl liest. Sie weiß, dass Jesus für alle ein Herz hat, aber sie hat auch eins für ihre Freunde.  Nun fürchtet sie sich davor, sich öffentlich gegen solche Kommentare zu stellen. Immerhin: Sie teilt die Kommentare nicht weiter.  
Lass Dir ein an meiner Gnade genügen ….
Wie gesagt: Schöner Satz. Es ist mühsam genug, aber wir lernen es: Gottes Kraft in den anderen schwachen Menschen zu sehen.
Was aber, wenn der Satz mir zuleibe rückt? Was, wenn es ich bin, die schwach ist?
Und es nicht um Einparken oder die vor mir hergetragene Mathe-Schwäche geht?
Dann spüre ich, wie ich kneife, einen Bogen mache. Denn schäme ich mich für das, woran ich wieder und wieder scheitere. Ich weiß wohl, wo ich verführbar bin, verletzt oder verbittert. Ich weiß, womit ich geize und ich kenne meine Niederlagen. Und das alles verstecke ich lieber. Es fällt schwer, diese Seite anzuschauen.
Gnade ist am liebsten etwas für die anderen, von denen ich meine, sie kriegen es sonst nicht auf die Reihe, weil sie ganz offensichtlich zu klein, zu arm, zu machtlos sind. Wollen Sie das sein? Will ich das ein?
In unseren Alltags-Verhältnissen kommts auf die Stärken an,
was eine kann und schon geleistet hat. – s. Bewerbungsgespräche
Und das möchte ich bestimmt nicht kleinreden. Ich schätze die Fähigkeiten eines Menschen. Wir brauchen sie auch.
Aber in unseren Stärken sind wir leichter verführbar. Wir übersehen schnell, dass es Gottes Gaben sind - und rechnen sie uns selbst zugute.
Das kann einsam machen: Gott gegenüber, aber auch Menschen gegenüber. Weil wir meinen, beide nicht zu brauchen.

Paulus kennt seine Stärken und vor allem Leistungen wohl:
Er zählt auf/z.T. vor Predigtabschnitt: Ich habe mehr gelitten als ihr alle zusammen
Ich bin öfter gefangen gewesen. geschlagen, gesteinigt bin ich worden.
Für uns heißt das vielleicht so: Ich habe mehr gearbeitet, mich bis zum Burnout engagiert. Doch, das ist auch Selbstlob des eigenen Einsatzes.
Und weil es nicht reicht, seinen praktischen Gemeindeeinsatz ins rechte Licht zu rücken, schiebt Paulus noch seine – wie wir sie heute nennen würden – mystischen Erfahrungen hinterher: Immerhin im 3. Himmel ist er im Gebet oder der Meditation gewesen. Hier kann er auch mithalten.
Was ist da los, dass einer so die Werbetrommel für sich rührt?
Die Leute in Korinth haben ihm, dem Gemeindegründer, die Autorität in Glaubensfragen abgesprochen – und das kratzt ihn mächtig.
Sie tun das, weil beeindruckendere Apostel aufgetreten sind. Strahlendere, vielleicht auch erfolgreichere. Da fällt Paulus mit seiner Krankheit, die er so drastisch beschreibt hinten runter und er fühlt sich herausgefordert.
Hin- und hergerissen ist er: Wenn schon Lob, dann müssten ihn die Leute in Korinth loben, aber weil sie auf den Dreh offensichtlich nicht (mehr) kommen, tut Paulus es selbst.
Das verstehe ich, Paulus. Und du klingst einigermaßen verzweifelt und die Situation verfahren. Umso mehr staune ich über deinen Satz: Lass Dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
Den hast Du nicht selber gemacht. Den hast du auch nicht in deinen mystischen Höhenflügeln gehört, sondern den hast Du erlitten und im verzweifelten Gebet ist er Dir geschenkt.
Am Tiefpunkt: Paulus will diese Krankheit loswerden, weil sie ihn behindert, wie ein Pfahl im Fleisch und: Paulus verzweifelt an seiner Gemeinde -
in diesen dunklen Zeiten Lebens,
dann, wenn eine sagt: Ich möchte Gott so gern vertrauen, aber ich spüre ihn nicht,
wenn einer wirklich sein Leben ändern möchte, aber die Kraft dazu nicht findet.
Wenn ich nicht mehr kann – dann kann Christus, dann hat seine Kraft Raum.
Darum geht Christus in unsere Schwächen. Ja, - Christus wird selbst ein Schwacher: Das ist Christus am Kreuz, der nach Gott geschrien hat. Er hat ihn nicht gesehen, er hat ihn nicht gespürt – und doch nach ihm gerufen. In dem nicht beweisbaren Vertrauen, dass Gott ihn da durch trage. Das ist das, was am christlichen Glauben seit Anbeginn an als töricht/dumm verschrien ist. Weil es unseren Erfolgsregeln partout zuwider läuft.
An dieser Stelle ist christlicher Glaube nicht vernünftig. Und doch zutiefst barmherzig: In dem, was mir nicht gelingt, wo meine Grenzen mir selbst und sicher auch anderen weh tun -  dort ist Gottes Kraft anwesend. Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig.
Ich stelle mir vor, wie das wäre: Diesen Satz mitzunehmen in die neue Woche.
Ich würde das Vertrauen üben: Christus wohnt in meinen Dunkelheiten.
Ich versuche, ihn von dort nicht verschämt wegzuschicken, nicht auszusperren.
Ich sage: Ja, komm Du mit deiner Gnade.
Und ich spüre: Wie er aus dornigem/hartem Boden fruchtbaren Boden macht.
Du kannst das, Christus. Und ich möchte das zulassen.

Und der Friede Gottes, der weiter ist als unser Herz und Verstand, bewahre uns in Jesus Christus.