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    Wie die Gemeinde das Miskolcer Kinderschutzzentrum unterstützt: Ein Bericht von Ulrike Schilling

    Unsere Gemeindemitglieder Ulrike Schilling und Attila Dimák fahren regelmäßig nach Miskolc im Nordosten Ungarns. Sie bringen den Kindern im dortigen Kinderschutzzentrum ein wenig Hoffnung in ihr Leben. Im Folgenden ein Bericht über ihr Engagement.

    Der Kontakt mit dem Kinderschutzzentrum wurde vor einigen Jahren von unserem Gemeindemitglied Katrin Strén hergestellt. Sie kann diese Aufgabe momentan leider nicht ausüben, dennoch pflegen wir den Kontakt nach Miskolc auch weiterhin. Es finden regelmäßige Besuche statt, die für die Kinder dort etwas ganz Besonderes sind.
    Die Kinder haben meist ein sehr schweres Schicksal hinter sich. Sie leben nicht mehr in ihren Familien. Vielleicht hat man sie wegen der Armut, den Schlägen, betrunkenen oder auch überforderten Eltern aus ihrem gewohnten Umfeld herausgenommen. Im Kinderschutzzentrum sind sie in drei Gruppen eingeteilt: die Kleinen (3-6 Jahre), die Jungen (6-18 Jahre) und die Mädchen (6-18 Jahre). Hier warten sie darauf, dass sie woanders landen: in einer Pflegefamilie oder in einem anderen Heim in Ungarn. Manche sind auch schon wieder aus ihren Pflegefamilien zurück  gekommen: Die Pflegefamilien waren überfordert.
    In der Mädchengruppe treffe ich bei einem 2. Besuch nach einigen Monaten ein Geschwisterpaar wieder: Keiner wollte sie, weil eines der Mädchen eine Lernbehinderung und geistige Behinderung hat. Kinder, die keiner will.
    Unter den großen Mädchen gibt es welche, die die Schule schwänzen und stattdessen von ihren Verwandten auf den Strich geschickt werden; sie haben keine Ahnung von Sexualität, dann stehen sie schwanger da und wissen, dass das Kind auch ins Heim kommt oder abgetrieben wird.
    Wenn wir zu Besuch sind, ist im Allgemeinen eine Erzieherin für eine Gruppe zuständig. Die Mitarbeiter sind müde, schlecht bezahlt, aber einige sind trotzdem herzlich. Man muss den Kindern den Alltag beibringen, sagen sie, dass es Duschen gibt und wie man sie benutzt, dass es Essen gibt und Schule, alles nicht selbstverständlich für die Kinder.
    „Mag sein, dass andere uns auslachen, aber wir essen jeden Tag Brot,” sagte mir eine Jugendliche.
    Im Sommer 2016 machten wir mit einigen Kindern einen Ausflug in den Zoo in Miskolc. Danach gab es zum Mittagessen einen Hamburger und ein Eis. Das war ein schöner Tag für die Kinder.
    „Früher hatten wir den Auftrag, im Sommer mit den Kindern Ausflüge zu machen,” berichtet eine Erzieherin. „Heute haben wir kein Geld dafür.” Der Staat gibt nichts.
    Und so sitzen die Kinder in den langen Sommerferien in ihren Gruppen, können sich auf dem betonierten Hof und dem kleinen Rasenstück, das noch zum Gelände des Heimes gehört, aufhalten. An manchen Tagen ist es aber auch hier zu heiß. So vergehen die Sommertage in den Gruppen mit wenig Programm, denn auch Beschäftigungsmittel sind knapp.
    Wir in der Gemeinde leben im Vergleich zu den Kindern wie im Paradies: Wir essen nicht nur Brot. Wir können in Urlaub fahren. Wir können am kulturellen Leben teilnehmen, und unsere Kinder können es auch.
    „Wenn du zwei Röcke hast”, sagt Jesus, „dann gib einem Menschen, der nichts hat, einen ab.”
    Wir können die Armut nicht beseitigen. Wir können nicht verhindern, dass die Kinder nicht zu Kriminellen oder später obdachlos werden. Wir können den Kindern aber manchmal einen schönen Tag machen. Ein schöner Tag in der Erinnerung des Kindes. Wir können ihnen beim Basteln das Gefühl geben: „Ich kann das.” Eine Ermunterung, eine kleine Zuversicht. Und viele kleine gute Schritte verändern die Welt.